Varroabehandlung

Was tun gegen die Varroamilbe?

Es gibt zig verschiedene Lösungsansätze für das Varroa-Problem und jeder mag seine Berechtigung haben. Ich möchte mich hier aber auf jene Behandlungsmethoden beschränken mit denen ich die besten Erfahrungen gemacht habe. Ich selbst finde, dass die Behandlung gegen diesen Parasit einer der zentralen Punkte der Imkerei darstellt.

Drohnenbrut ausschneiden

Sobald die Bienen beginnen auch Männchen heranzuziehen hänge ich Drohnenrähmchen ins Bienenvolk. Das sind gewöhnliche Holzrähmchen ohne Draht oder Mittelwand, in denen die Bienen ‚wild‘ bauen können. Oft ist es nun so, dass die Bienen genau diese Rähmchen nutzen um ihre Drohnenzellen darin anzulegen. Die Varroamilbe legt ihre Eier mit Vorliebe in Drohnenzellen ab. Ist diese Brut verdeckelt, wird sie dem Volk entnommen und aus dem Rähmchen herausgeschnitten. Das leere Rähmchen kommt zurück ins Volk und das Spiel beginnt von vorne. In einem Bienenjahr ist es, je nach Betriebsweise und Rähmchengröße, möglich bis zu viermal die Drohnenbrut auszuschneiden. Allein diese Tätigkeit nimmt schon eine große Menge von Varroen (ist das die Mehrzahl? )aus dem Bienenvolk.

Ameisensäurebehandlung im Spätsommer

Ein bisschen Bienenmathematik

Nach einer Gemülldiagnose kann man abschätzen wie stark der Varroabefall in einem Volk ist. Gemülldiagnose ist nur ein anderes Wort für: Ich schau mal nach wie viel Dreck die Bienen in der Zwischenzeit gemacht haben. Dazu legt man eine so genannte Stockwindel für zwei oder drei Tage in den Boden der Beute und zählt nach wie viele Milben abgefallen sind. Diese Anzahl teilt man dann durch die Anzahl an Tagen, die die Windel sich im Volk befunden hat. Also hat man beispielsweise die Windel für drei Tage im Stock belassen und danach zählt man dreißig Milben bedeutet das, dass täglich zehn Milben abgefallen sind.

Bei unter einer Milbe pro Tag muss man sich keine Sorgen machen, darüber allerdings ist eine Behandlung unbedingt erforderlich. Was bedeuten diese gezählten Milben nun? Naja, Leute, die sich mehr mit dem Thema beschäftigt haben als ich, haben herausgefunden, dass das Verhältnis von abgefallenen Milben zu lebendigen Milben, die sich noch im Stock tummeln, etwa 1:200 beträgt. Hä? Schon wieder rechnen? Ja, ein bisschen Rechnen muss sein ;). Es ist ganz einfach: zehn abgefallene Milben mal 200 bedeutet 2000 Milben im Volk. Das ist eine ganze Menge! Noch ein paar Zahlen: Wenn man nun mit 80 prozentiger Ameisensäure behandelt, verdampft man etwa 80ml davon im Volk und wartet für drei Tage. Danach müssen etwa 20% der errechneten Milben abgefallen sein. Dann kann man von einem Behandlungserfolg sprechen. ‚Und warum nur 20%?‘ hör ich euch schon fast denken. Die Antwort ist einfach. Im Schnitt sitzen nur 20% der Milben tatsächlich AUF den Bienen. Der Rest befindet sich IN den Zellen. wenn man also lange genug wartet -etwa zwei Wochen- fallen die Restlichen auch ab. Erledigt -milbenfreies Volk.

Die Varroamilbe und die Bienen

Die Varroamilbe (lat. Varroa destructor) ist -zumindest von Namen her- den meisten Leuten ein Begriff. Sie ist eine Milbenart, die ursprünglich aus den tropischen Teilen Ostasiens stammt und dort als Parasit die östliche Honigbiene (lat. Apis cerana) befällt. Im Unterschied zu unserer heimischen Bienenart wird bei der östlichen Honigbiene allerdings nur die Drohnenbrut, also die männliche Brut im Stock, befallen.

Aussehen der Varroamilbe

Die Männchen sind sehr klein und für den Imker nur schwer aufzufinden, da sie für gewöhnlich in den Zellen verbleiben und dort auch sterben sobald sie sich mit den Weibchen gepaart haben.
Die Weibchen sind etwa einen Millimeter lang und eineinhalb Millimeter breite Spinnentiere mit rotbrauner Färbung. Mit ihren sägeartigen Mandibeln kann die Milbe ihre Wirtstiere quasi bei lebendigem Leib aufschneiden um ihre Körpersäfte zu trinken.

Arbeiterin mit aufsitzender Varroamilbe
Bild eine Biene mit aufsitzender Varroamilbe von David Mark auf Pixabay, (glücklicherweise habe ich keine aufsitzenden Milben auf meinen Bienen gefunden, so musste ich auf dieses Bild zurückgreifen 😉 )

Wie vermehrt sich die Varroamilbe und warum schädigt das die Bienen?

Der Parasit kommt niemals frei lebend, sondern immer nur im Inneren von Bienenstöcken, genauer in den Zellen mit Larven, vor. Nur die Weibchenkann man auch auf den Bienen sitzend oder im Stock herumlaufend vorfinden. Ihr flacher, runder Panzer schützt sie leider ausgezeichnet vor dem Putztrieb der Bienen. Die Infektion anderer Bienenvölker ist nur durch direkten Kontakt möglich. Dies geschieht häufig in Zeiten von Futterknappheit, wenn die Bienen versuchen andere Völker auszurauben.

Die auf dem Wirtstier sitzende Milbe verlässt die Biene, während diese eine Brutzelle mit einer verpuppungsbereiten Larve verdeckelt und schlüpft in ebendiese Zelle. Drohnenbrut wird um ein vielfaches stärker befallen als die von Arbeiterinnen. Königinnenbrut so gut wie nie. Die Milbe krabbelt zum Zellenboden und beginnt an der Bienenlarve zu saugen. Sie legt etwa zwei Tage nach der Verdeckelung ihr erstes Ei ab. Dieses bleibt unbefruchtet und entwickelt sich  zu einem Männchen. Die folgenden, diesmal befruchteten Eier, die mit etwa einem Tag Abstand gelegt werden entwickeln sich zu Weibchen.

Die Männchen und die sich entwickelnden Nymphen sind davon abhängig, dass das Weibchen die Bienenlarve oder Puppe verletzt, denn sie sind selbst nicht im Stande die Außenhaut der zukünftigen Biene zu durchdringen.

Die Varroa-Weibchen werden unmittelbar nach erreichen des Erwachsenenstadiums geschlechtsreif und werden noch in der Zelle, bevor die Biene schlüpft, vom Männchen begattet, das sich bereits in der Zelle befindet. Das Männchen stirbt anschließend, ohne die Zelle je verlassen zu haben. Die Weibchen verlassen dann die Zelle mit der Biene. Das Männchen bleibt zurück.

Eben durch dieses Verletzen der Larven durch das Muttertier kommt es zu einer Schädigung der Biene und macht sie auch anfälliger für andere Krankheiten. Wenn man sich nun vorstellt wozu es führt wenn nicht nur eine Biene, sondern hunderte betroffen sind, wird klar, warum die Varroamilbe für das Bienenvolk so gefährlich ist.