Luzernehonig- ein Versuch

Heuer haben wir in Zusammenarbeit mit einem Landwirt aus Spannberg etwas neues ausprobiert. Er hat mich gefragt ob wir nicht Lust hätten einige Völker in ein Luzerne-Feld zu stellen. Ich muss gestehen ich kannte die Pflanze zwar von Namen, hatte aber keine Ahnung ob Bienen sie auch bestäuben würden oder sie gar Luzernehonig bringen könnte.

Luzerne ist ein Fremdbefruchter und deshalb auf die Bestäubung von Insekten angewiesen. Besonders für die Saatguterzeugung ist die Blütenbiologie von besonderer Bedeutung, denn zu einer Bestäubung kommt es erst, wenn die Blüte von den Insekten „ausgelöst“ wird. Das bedeutet folgendes: sobald das Insekt in die Blüte eindringt, löst es einen Mechanismus aus, der ein Pollenpaket gegen das Insekt schlägt. Dieser Schlag, den die Insekten beim Blütenbesuch bekommen, ist ungefährlich, stört aber viele Bienenarten. Wer möchte sich schon freiwillig schlagen lassen? Aber Honigbienen lernen aus der Unangenehmen Erfahrung und vermeiden nach einiger Zeit den unangenehmen Schlag, indem sie den Nektar mit ihrem Rüssel von der Seite her erreichen. Dadurch bleibt allerdings die Bestäubung aus.

Es gibt viele Bemühungen, Luzerne zu züchten, der die Bienen nicht so stark bei der Bestäubung mit Pollen bepudert und dadurch von der Bestäubung abschreckt. Ich möchte jetzt nicht zuviel auf die Biologie der Luzerne eingehen, deshalb einfach ein Bild dazu.

Luzerne. Für Luzernehonig muss ein Bienenvolk schon einige Schläge einstecken...
Luzerneblüte

Allem Anschein nach erfolgen die meisten Bestäubungen in einem Abstand von bis zu 100m vom Bienenvolk. Das haben wir bei der Platzierung der Völker auch beachtet und sie einfach mitten ins Feld gestellt und geschaut was geschieht.

zwei Völker sollten versuchen Luzernehonig zu produzieren...
Der Erfolg war aber eher überschaubar.
Die Völker im Luzernefeld.

Wie sollte Luzernehonig schmecken?

Luzernehonig ist ein kräftiger, aromatischer Honig, der nach Heu und Gräsern duftet. Seine Farbe ist ein sehr helles Gelb und seine Konsistenz ist sehr cremig. Diese Cremigkeit kommt unter anderem vom hohen Traubenzuckergehalt. Sein Geschmack hat wenig mit dem typischen Honiggeschmack zu tun was man als durchaus interessant finden kann.

Hat es funktioniert?

Die Antwort darauf ist ein klares Jein. eine Durchsicht der Völker hat zwar gezeigt, dass durchaus Honig eingetragen worden ist, allerdings war es zu wenig um tatsächlich geerntet zu werden. Wir haben uns daher entschlossen auch die Sonnenblumenblüte in diesem Feld abzuwarten. Der Aufwand hat sich also trotzdem gelohnt.

Abschließend noch ein idyllisches Foto der beiden Völker im Sonnenuntergang:

Bienenvölker im Sonnenuntergang
Die Versuchskaninchen im Sonnenuntergang

Varroabehandlung

Was tun gegen die Varroamilbe?

Es gibt zig verschiedene Lösungsansätze für das Varroa-Problem und jeder mag seine Berechtigung haben. Ich möchte mich hier aber auf jene Behandlungsmethoden beschränken mit denen ich die besten Erfahrungen gemacht habe. Ich selbst finde, dass die Behandlung gegen diesen Parasit einer der zentralen Punkte der Imkerei darstellt.

Drohnenbrut ausschneiden

Sobald die Bienen beginnen auch Männchen heranzuziehen hänge ich Drohnenrähmchen ins Bienenvolk. Das sind gewöhnliche Holzrähmchen ohne Draht oder Mittelwand, in denen die Bienen ‚wild‘ bauen können. Oft ist es nun so, dass die Bienen genau diese Rähmchen nutzen um ihre Drohnenzellen darin anzulegen. Die Varroamilbe legt ihre Eier mit Vorliebe in Drohnenzellen ab. Ist diese Brut verdeckelt, wird sie dem Volk entnommen und aus dem Rähmchen herausgeschnitten. Das leere Rähmchen kommt zurück ins Volk und das Spiel beginnt von vorne. In einem Bienenjahr ist es, je nach Betriebsweise und Rähmchengröße, möglich bis zu viermal die Drohnenbrut auszuschneiden. Allein diese Tätigkeit nimmt schon eine große Menge von Varroen (ist das die Mehrzahl? )aus dem Bienenvolk.

Ameisensäurebehandlung im Spätsommer

Ein bisschen Bienenmathematik

Nach einer Gemülldiagnose kann man abschätzen wie stark der Varroabefall in einem Volk ist. Gemülldiagnose ist nur ein anderes Wort für: Ich schau mal nach wie viel Dreck die Bienen in der Zwischenzeit gemacht haben. Dazu legt man eine so genannte Stockwindel für zwei oder drei Tage in den Boden der Beute und zählt nach wie viele Milben abgefallen sind. Diese Anzahl teilt man dann durch die Anzahl an Tagen, die die Windel sich im Volk befunden hat. Also hat man beispielsweise die Windel für drei Tage im Stock belassen und danach zählt man dreißig Milben bedeutet das, dass täglich zehn Milben abgefallen sind.

Bei unter einer Milbe pro Tag muss man sich keine Sorgen machen, darüber allerdings ist eine Behandlung unbedingt erforderlich. Was bedeuten diese gezählten Milben nun? Naja, Leute, die sich mehr mit dem Thema beschäftigt haben als ich, haben herausgefunden, dass das Verhältnis von abgefallenen Milben zu lebendigen Milben, die sich noch im Stock tummeln, etwa 1:200 beträgt. Hä? Schon wieder rechnen? Ja, ein bisschen Rechnen muss sein ;). Es ist ganz einfach: zehn abgefallene Milben mal 200 bedeutet 2000 Milben im Volk. Das ist eine ganze Menge! Noch ein paar Zahlen: Wenn man nun mit 80 prozentiger Ameisensäure behandelt, verdampft man etwa 80ml davon im Volk und wartet für drei Tage. Danach müssen etwa 20% der errechneten Milben abgefallen sein. Dann kann man von einem Behandlungserfolg sprechen. ‚Und warum nur 20%?‘ hör ich euch schon fast denken. Die Antwort ist einfach. Im Schnitt sitzen nur 20% der Milben tatsächlich AUF den Bienen. Der Rest befindet sich IN den Zellen. wenn man also lange genug wartet -etwa zwei Wochen- fallen die Restlichen auch ab. Erledigt -milbenfreies Volk.