Die Berufe einer Arbeiterin

Ist die Arbeiterin aus ihrer Zelle geschlüpft, beginnt auch schon ihr Arbeitsleben.

Tage 1 bis 3:

Zu dieser Zeit ist die Aufgabe der Arbeiterin das Reinigen und Desinfizieren der Brutzellen. Sie überzieht die Waben und das Innenleben der Beute mit einem dünnen Film aus Propolis. Man nennt Bienen in diesem Stadium auch liebevoll ‚Putzbienen‘. In dieser Zeit beginnen sich die Futtersaftdrüsen in ihrem Kiefer zu entwickeln.

Tage 4 bis 5:

Ab dem vierten Tag bereitet die Arbeiterin den Pollen und den Honig vor, den die älteren Larven als Futter bekommen.

Tage 6 bis 13:

Sind die Futtersaftdrüsen vollständig entwickelt, übernimmt die Biene die Aufgabe der Fütterung der allerjüngsten Brut und versorgt auch die Königin mit Futtersaft. In diesem Stadium nennt man sie auch treffend ‚Ammenbiene‘.

Tage 14 bis 16:

Nach etwa zwei Wochen sind die Wachsdrüsen der Biene so weit entwickelt, dass sie sich dem Bautrupp des Volkes anschließen kann. Als ‚Baubiene‘ errichtet sie mit ihren Kolleginnen die Wabenstrukturen, verdeckelt Brut- und Honigwaben.

Tage 17 bis 19:

Zu dieser Zeit bilden sich die Wachs- und Futtersaftdrüsen der Biene wieder zurück und die Arbeiterin wandert zum Eingang des Bienenstockes. Dort bewacht sie das Flugloch und verteidigt es vor Angreifern und überprüft die ankommenden Bienen. Wir haben nun eine ‚Wächterbiene‘ vor uns. Es ist die Letzte Tätigkeit die die Biene im Stock verrichtet, denn wenn ihre Tätigkeit hier erledigt ist, verlässt sie das erste Mal den Bienenstock.

ab dann:

Von nun an sammelt unsere Arbeiterin Nektar und Pollen, Wasser und Baumharz für das Volk.

Aufgrund äußerer Umstände kann es dazu kommen, dass die Arbeiterin noch andere Tätigkeiten übernehmen muss. Kommt es beispielsweise zu einem Kälteeinbruch, entwickeln sich einige Arbeiterinnen zu ‚Heizerbienen‘ um die Temperatur im Volk zu erhöhen. Andere verdunsten Wasser um den Stock bei zu großer Hitze zu kühlen. Erschöpft sich eine Nahrungsquelle ist das Volk dazu gezwungen neue Gebiete aufzusuchen. dafür entwickeln sich Arbeiterinnen zu sogenannten ‚Spurbienen‘, die nichts anderes tun als neue Futtergründe zu suchen. Der Bien ist auf diese Art sehr flexibel, denn er kann so relativ zügig auf äußere Einflüsse reagieren.

Was für ein Bienenschwarm

Am Wochenende hat mich ein Freund angerufen. Im Garten seiner Schwiegereltern hing ein Bienenschwarm. Da es schon ein schönes Stück zu fahren war hatte ich ihn um ein Foto des Schwarms gebeten, denn manchmal kommt es vor, dass man in voller Kampfmontur ausrückt und dann nur eine handvoll Bienen von einem Ast pflückt. Das Bild hat selbst mich ein bisschen überrascht. Wenn ich ehrlich bin habe ich schon einige Jahre lang keinen so großen Schwarm mehr gesehen.

Der Bienenschwarm hing in einer Höhe von etwa drei Metern, auf einer Länge von über einem Meter
Der Bienenschwarm hing in einer Höhe von etwa zweieinhalb Metern, auf einer Länge von über einem Meter

Wir hatten gerade Freunde zu Besuch und diese wollten natürlich zusehen. Also nix mit einem gemütlichen Samstag bei Kaffee und Kuchen. Bienenfangen war angesagt.

Wie kommt es zu einem Bienenschwarm?

Der Bienenschwarm ist quasi die natürliche Vermehrung eines Bienenvolkes. Aus verschiedenen Gründen kann das Bienenvolk in Schwarmstimmung geraten und Arbeiterinnen beginnen neue Königinnen heranzuziehen. Oftmals entscheiden die Arbeiterinnen die Königin abzusetzen wenn ihre Legeleistung aufgrund ihres Alters nachlässt oder eine plötzlich eintretende Massentracht ihnen keinen Platz mehr lässt um weiter Arbeiterinnen heranzuziehen. In einem gesonderten Blogeintrag werde ich auf das Thema noch näher eingehen.

Wie man einen Bienenschwarm einfängt

Erst sollte man sich gründlich überlegen ob man den Bienenschwarm überhaupt gefahrlos einfangen kann. Man muss nämlich auch wissen, dass die Bienen nur einen Zwischenstopp einlegen während Kundschafter sich nach einer geeigneten Behausung umsehen.

kurzes Überlegen wie man dieses Riesen Ding nun in die kleine Schwarmkiste befördert...
ein großer Bienenschwarm
Kurzes Überlegen wie man dieses Riesen Ding nun in die kleine Schwarmkiste befördert…

In diesem Fall war es bis auf die Größe des Schwarmes nicht sehr schwierig ihn in die Schwarmkiste zu bugsieren. Stück für Stück wird er vorsichtig in die Kiste gekehrt, in der Hoffnung, dass die Königin auch in die Kiste plumpst.

Abkehren des Bienenschwarmes in eine Transportkiste
Abkehren des Schwarmes in eine Transportkiste.

Ist die Königin im Kasten, folgen ihr die restlichen Bienen dann gehorsam in die Kiste und man kann sie gemütlich einpacken und mitnehmen.

Bienenschwarm in der Schwarmkiste
Die Bienen sammeln sich in der Schwarmkiste.

Am Bienenstand sollte man die Bienen nicht unmittelbar in eine eigene Beute einschlagen, sondern ihn -um der amerikanischen Faulbrut vorzubeugen- vorerst ohne Waben oder Futter in einen dunklen, kühlen Raum stellen, damit die Bienen ihre mitgebrachten Honigreserven aufbrauchen und so keine Faulbrutsporen verbreiten können. Auch sollte der Schwarm, da er nun ja keine Brut enthält mit Oxalsäure oder besser 15 prozentiger Milchsäure behandelt werden um sich gleich aller Varroamilben zu entledigen.
Ist das erledigt, wird der Bienenschwarm in die vorbereitete Beute ‚umgefüllt‘. Aufgrund der Größe des Schwarmes bekam er gleich eine ganze Zarge, ausgestattet mit 8 Mittelwänden und zwei Futterwaben.

Der Bienenschwarm wird in die vorbereitete Kiste umgesiedelt.
Die Bienen bekommen ihre neue Behausung

Beim Nachschauen wie sich das Volk verhält war ich ehrlich überrascht, dass die Bienen schon nach zwei Tagen ALLE MIttelwände ausgebaut hatten und die Königin bereits begonnen hatte Eier zu legen.

Der Bienenschwarm hat gleich mit dem Ausbauen der Waben behonnen
Unglaublich wie fleißig sie in so kurzer Zeit schon waren.
Der eingefangene Bienenschwarm hat sich am Deckel der Beute versammelt
Die Menge an Bienen ist erstaunlich

Die drei Bienenwesen

Die drei Bienenwesen, Königin, Arbeiterin und Drohne bilden zusammen den Bien, das Bienenvolk. Die Anzahl von Drohen und Arbeitrinnen schwankt dabei über das Jahr, nur die Königinnenanzahl bleibt hoffentlich konstant. Es gibt im Normalfall nämlich immer nur eine. Alle drei Bienenwesen sind wichtig für den Fortbestand des Volkes, die Arbeiterinnen tragen aber bestimmt die Hauptlast.

Was die Bienenwesen gemeinsam haben? Sie schlüpfen alle aus Eiern

Egal ob Drohne, Arbeiterin oder Königin, alle schlüpfen aus Eiern, diese werden aber unterschiedlich behandelt. Das beginnt schon mit dem Ort an dem die Eier gelegt werden, der Zelle. Arbeiterinnenzellen haben eien Durchmesser von knapp 5,4 mm und sind zwischen 10 und 12 mm tief. Die Zellen von Drohnen sind etwa 7 mm im Durchmesser. Auf der Brutwabe ist ein deutlicher Unterschied zwischen diesen Zelle ersichtlich. Diese Zelllen werden beinahe horizontal in die Brutwabe gebaut, die Zellenöffnung liegt ein bisschen höher, etwa 5°, als der Zellenboden. Königinnenzellen hingegen sind Tropfenförmig und die zukünftige Königin hängt kopfüber in ihrer Zelle. Auch haben die Arbeiterinnen- und die Drohnenzellen die typische hexagonale (sechseckige) Form, die der Königinnenzelle fehlt. Diese ist einfach rund und tropfenförmig.

Aber wie entstehen die unterschiedlichen Bienen nun?

Naja, die Arbeiterinnen bauen Brutzellen und die Königin legt ihre Eier hinen. Grundsätzlich ganz simpel, wenn da nicht noch ein paar Details zu beachten wären. Drohnen sind um einiges größer als Arbeiterinnen, die Königin merkt anhand der Zellengröße ob sie nun ein ‚männliches oder ein weibliches Ei‘ in die Zelle zu legen hat. Das interessante an diesem Vorgang ist, dass sich diese männlichen und weiblichen Eier dadurch unterscheiden ob die Königin das Ei befruchtet hat oder nicht. Arbeiterinnen entstehen aus befruchteten Eizellen, Drohnen aus unbefruchteten. Was bedeutet das jetzt? Genetisch betrachtet sind die Männchen nun exakte Klone der Königin, die allerdings nur einen halben Chromosomensatz besitzen. Sie geben Quasi eins zu eins die Erbinformation der Königin weiter.

Bei den Weibchen spielt noch eine weiter Komponente eine Rolle, die entscheidet ob nun eine Königin entsteht oder nicht. In den ersten Entwicklungsstadien der Bienenweibchen gibt es keinen Unterschied ob nun Königin oder Arbeiterin aus dem Ei schlüpfen soll. Vier Tage nach der Eiablage schlüpft eine winzige Made, die Anfangs mit Futtersaft, den Ammenbienen in Drüsen an ihrem Kiefer produzieren, versorgt wird. Soll nun eine Königin aus dem Ei entstehen, wird von Baubienen die Zelle zu einer sogenannten Weiselzelle, also einer Königinnenzelle, umgebaut. Diese Made wird bis zur Verpuppung weiter mit Königinnenfuttersaft -Gelee royal- gefüttert. Für Arbeiterinnen folgt eine Ernährungsumstellung auf eine Kost bestehend aus Honig, Pollen und Arbeiterinnenfuttersaft. Die Unterschiedliche Ernährung entscheidet also darüber, was für ein Bienenwesen letztendlich aus dem befruchteten Ei entsteht.

Entwicklungsdauer der einzelnen Bienenwesen

Die Königin:
Entwicklungszeit: 16 Tage
Ei: 3 Tage
Larve: 5 Tage
Puppe: 8 Tage
Lebensdauer: etwa 3-5Jahre

Die Arbeiterin:
Entwicklungszeit: 21 Tage
Ei: 3 Tage
Larve: 6 Tage
Puppe: 12 Tage
Lebensdauer: etwa 2-6 Wochen im Sommer, 4-7 Monate im Winter

Der Drohn:
Entwicklungszeit: 24 Tage
Ei: 3 Tage
Larve: 7 Tage
Puppe: 14 Tage
Lebensdauer: etwa 3 Monate

Wie viele Bienen hat ein Bienenvolk?

Diese Frage bekommt man als Imker oft gestellt. Das interessante daran ist, dass man je nachdem, wann man den Imker fragt, immer eine andere Antwort bekommt. Wieviele Bienen ein Bienenvolk nämlich hat, hängt von der Jahreszeit ab.

Herbst

Beginnen wir im Herbst. Die Bienen haben das ganze Jahr über Honig und Pollen gesammelt und bereiten sich auf den Winter vor. Zu diesem Zeitpunkt pendelt sich die Stärke eines durchschnittlichen Bienenvolkes bei etwa 10.000 bis 15.000 Bienen ein. Das gesamte Volk besteht aus weiblichen Bienen. Die Bienen sammeln sich in der Wintertraube und warten das Kommen des Frühlings ab.

Winter und Frühjahr

Im zeitigen Frühjahr besteht das Volk dann nur noch aus etwa 4.000-6.000 Abreiterinnen und der Königin. Diese beginnt sobald es wärmer wird mit der Eiablage. etwa zwei Wochen danach schlüpft die erste Generation von Arbeiterinnen und das Volk beginnt zu wachsen. Stellt sich nun mit voranschreiten des Frühjahres ein konstanter Futterstrom ein und die Tage werden Wärmer bringen die Arbeiterinnen die Königin auch dazu Drohnenzellen zu bestiften und das Volk wächst weiter bis in den Sommer.

Sommer

Zur besten Zeit kann das Bienenvolk eine Stärke von 50.000-80.000 Bienen erreichen. In manchen Fällen auch noch weit mehr. Neben der Königin und den Arbeiterinnen befinden sich weiters noch bis zu 2000 Drohnen im Volk. Man sieht, die Mehrheit wird von den Arbeiterinnen gestellt. Zur Sommersonnenwende, ende Juni, beginne die Arbeiterinnen die Drohen aus dem Volk zu vertreiben und sich auf den Winter vorzubereiten. Die Population geht bis zum Herbst wieder zurück auf die anfangs erwähnten 10.000 bis 15.000 Individuen. Auch interessant zu wissen ist, dass die Lebenserwartung der Winterbienen, also jener, die im Herbst schlüpfen weit höher ist als jene der Sommerbienen. Der Grund dafür ist recht einfach: Durch das hohe Futterangebot im Sommer müssen die Bienen mehr leisten als im Winter, daher die kürzere Lebenserwartung.

Eine typische Brutwabe in einem gesunden Bienenvolk, Ammenbienen kümmern sich un den Nachwuchs
Eine typische Brutwabe in einem gesunden Bienenvolk,

Der Bien – schon mal gehört?

Manche haben das Wort Bien schon einmal gehört. Geprägt wurde der Ausdruck von den beiden Imkern Ferdinand Gerstung und Johannes Mehring. Letzterer hat übrigens auch entscheidend Anteil an der Entwicklung der Mittelwände aus Wachs. Viele Imker verwenden sie heute. Zu Mehrings Zeit -um 1850 herum- Herrschte die Idee vom Dreiwesensystem vor. Das bedeutet einfach, dass das Bienenvolk aus den drei Bienenwesen, der Königin, den Arbeiterinnen und den Drohen besteht. Grundsätzlich ist das auch Richtig, allerdings zeigt das gesamte Bienenvolk Merkmale auf, die nur zutage treten wenn alle drei Wesen miteinander interagieren.

Durch das Miteinander entstehen Eigenschaften, die von einzelnen, unabhängig arbeitenden Bienen nicht erreicht werden könnten. Das soziale verhalten der Bienen spielt dabei eine große Rolle.

Ein Beispiel:

Bienen sind wie alle Insekten Kaltblüter, das heißt, die einzelne Biene hat immer gerade die Temperatur, die in ihrer Umgebung vorherrscht. im Verband allerdings ist es ihnen möglich durch die Bewegung ihrer Muskeln die Umgebung aufzuheizen und sich so gegenseitig zu wärmen. Eine Biene allein könnte den Winter nicht überstehen. Das Volk an sich (also der Bien) ist also im Stande die Temperatur im Stock regulieren. Auch wenn sie schwärmen ist dieses Verhalten gut beobachtbar. Die außen sitzenden Bienen fächeln mit ihren Flügeln um das Klima zu regulieren.

Der Bien, wenn er sich aufmacht eine neue Behausung zu suchen.
Bienenschwarm an einem Ast hängend. Bild von Enst Eggmann

Heute würde man von Schwarmintelligenz sprechen. Mehring hat alle Bienenwesen in Kombination mit den Waben als “Einwesen” bezeichnet. Ferdinand Gerstung hat den Begriff Bien eingeführt und diesen als eine Art eigenen Organismus höherer Ordnung angesehen, obwohl das aus biologischer Sicht nicht ganz korrekt war. Dessen war er sich allerdings auch bewusst.

Das Wort Bien ist also nichts anderes als eine alte, erste Bezeichnung für einen Superorganismus, eben bezogen auf das Bienenvolk. Dieser Begriff ist allerdings erst ein paar Jahrzehnte später vom Biologen William Morton Wheeler für alle Arten von sozialen Insekten eingeführt worden.