Der Bien – schon mal gehört?

Manche haben das Wort Bien schon einmal gehört. Geprägt wurde der Ausdruck von den beiden Imkern Ferdinand Gerstung und Johannes Mehring. Letzterer hat übrigens auch entscheidend Anteil an der Entwicklung der Mittelwände aus Wachs. Viele Imker verwenden sie heute. Zu Mehrings Zeit -um 1850 herum- Herrschte die Idee vom Dreiwesensystem vor. Das bedeutet einfach, dass das Bienenvolk aus den drei Bienenwesen, der Königin, den Arbeiterinnen und den Drohen besteht. Grundsätzlich ist das auch Richtig, allerdings zeigt das gesamte Bienenvolk Merkmale auf, die nur zutage treten wenn alle drei Wesen miteinander interagieren.

Durch das Miteinander entstehen Eigenschaften, die von einzelnen, unabhängig arbeitenden Bienen nicht erreicht werden könnten. Das soziale verhalten der Bienen spielt dabei eine große Rolle.

Ein Beispiel:

Bienen sind wie alle Insekten Kaltblüter, das heißt, die einzelne Biene hat immer gerade die Temperatur, die in ihrer Umgebung vorherrscht. im Verband allerdings ist es ihnen möglich durch die Bewegung ihrer Muskeln die Umgebung aufzuheizen und sich so gegenseitig zu wärmen. Eine Biene allein könnte den Winter nicht überstehen. Das Volk an sich (also der Bien) ist also im Stande die Temperatur im Stock regulieren. Auch wenn sie schwärmen ist dieses Verhalten gut beobachtbar. Die außen sitzenden Bienen fächeln mit ihren Flügeln um das Klima zu regulieren.

Der Bien, wenn er sich aufmacht eine neue Behausung zu suchen.
Bienenschwarm an einem Ast hängend. Bild von Enst Eggmann

Heute würde man von Schwarmintelligenz sprechen. Mehring hat alle Bienenwesen in Kombination mit den Waben als “Einwesen” bezeichnet. Ferdinand Gerstung hat den Begriff Bien eingeführt und diesen als eine Art eigenen Organismus höherer Ordnung angesehen, obwohl das aus biologischer Sicht nicht ganz korrekt war. Dessen war er sich allerdings auch bewusst.

Das Wort Bien ist also nichts anderes als eine alte, erste Bezeichnung für einen Superorganismus, eben bezogen auf das Bienenvolk. Dieser Begriff ist allerdings erst ein paar Jahrzehnte später vom Biologen William Morton Wheeler für alle Arten von sozialen Insekten eingeführt worden.

Können Bienen tanzen? – Bienentanzkurs

Auch wenn es für manche albern klingen sollte, Bienen können tatsächlich tanzen. Noch dazu beherrschen sie mehrere Tanzstile und sie nutzen sie zur Kommunikation. Je nachdem was sie mitzuteilen haben nutzen sie einen anderen Tanz.

Der Schwänzeltanz ist der bekannteste Bienentanz. Mit ihm weisen die Bienen auf Nahrungsquellen hin, die sich weiter vom Stock weg befinden. Die Biene, die etwas mitzuteilen hat, läuft dabei auf der Wage eine Schleife in Form einer Acht. In der Mitte der Achterform zittert die Biene mit ihrem Hinterleib. Dabei gilt das Motto, je stärker sie mit ihrem Hintern wackelt (schwänzelt), je ergiebiger ist das Nahrungsangebot an dem Ort den sie den anderen Arbeiterinnen schmackhaft machen möchte. die Richtung in der sie den Tanz vollführt hängt mit der Richtung des Futterplatzes bezogen auf die Sonne zusammen. Die anzahl der Achten, die sie tanzt, gibt die Entfernung an.

Der Rundtanz ist die Miniversion des Schwänzeltanzes. Er Vermittelt den anderen Bienen lediglich, dass sich eine Nahrungsquelle in der Nähe des Bienenstocks befindet. Dabei läuft die Biene im Prinzip nur abwechselnd links und rechtsherum im Kreis. Je näher sich die Futterquelle befindet, umso kleiner ist der Kreis, den die Biene mit ihrem Tanz beschreibt. Ab einer Entfernung von 20 bis 30 Metern vom Volk öffnet sich der Kreis zu einer etwas verbogenen und verdrehten Achterform. Je mehr Futter dort vorzufinden ist umso energischer tanzt die Biene.

Der Schütteltanz ist ein weiterer Tanzstil, den die Bienen beherrschen. er dient zum verteilen von Aufgaben im Stock, oder besser um andere Bienen dazu anzuhalten Tätigkeiten aufzunehmen, die momentan wichtiger sind als was sie bisher getan haben. Die Biene, der ein Misstand im Stock aufgefallen ist fängt an zu vibrieren und sucht Körperkontakt zu einer Nachbarin. Diese vibriert zwangsläufig mit und wird dadurch zur einer bestimmten Tätigkeit, wie etwa Putzen oder dem füttern von Brut angeregt.

Bild einer Brutwabe mit Arbeiterinnen darauf. Einige tanzen vermutlich;)
Bild einer Brutwabe mit Arbeiterinnen darauf. Einige tanzen vermutlich;)
Bild von David Hablützel, Pixabay

Was noch gesagt werden sollte ist, dass die Bienen, wie wir wissen, ihre Tänze im Bienenstock aufführen. Das bedeutet, dass es da drinnen wenig bis gar kein Licht gibt. Es geht vielmehr um die Geräusche und Vibrationen, die die Biene von sich gibt. Genau so wie der Körperkontakt zu den anderen Bienen. Man könnte also behaupten, dass Bienen sehr gut tanzen können und den Ausdruckstanz echt beherrschen.

Halten Bienen Winterschlaf?

Die kurze Antwort lautet nein. Bienen halten keinen Winterschlaf. Das gesamte Verhalten das man über das Jahr erkennen kann, dient im Prinzip nur dazu, dass sie genug Vorräte für diese Phase zur Verfügung haben. Wenn es nun so kalt wird, dass die Bienen nicht mehr ausfliegen können, schalten sie komplett in den Wintermodus um. Sie stellen die Flugaktivität ein und sammeln sich in einer sogenannten Wintertraube. Das ist einfach ein Klumpen Bienen in der Bienenkiste.

Sie kuscheln sich alle möglichst eng aneinander und erzeugen mit ihren Flugmuskeln Wärme. Je kälter es wird, umso enger zieht sich diese Traube zusammen. In der Mitte der Traube sitzt die Königen und lässt sich von ihren Arbeiterinnen wärmen. Jetzt ist es natürlich so, dass Bienen im Zentrum der Traube mehr Wärme abbekommen als jene, die außen auf der Traube sitzen.

Damit diese nicht abfrieren tauschen die Arbeiterinnen regelmäßig ihren Platz gegen einen Wärmeren, bzw. einen Kälteren ein. Die Königin hört auf Eier zu legen und die Arbeiterinnen versuchen mit so wenig Energieaufwand wie möglich den Stock zu wärmen. Wärme erzeugen sie dabei mit ihren Flugmuskeln.

Über den Winter hinweg wandern die Bienen von einer Wabe zur Nächsten. Das tun sie um immer genug Futter in Reichweite zu haben. Über den Winter wandert Das Bienenvolk so von der untersten Zarge in die Obere, immer dem restlichen Futter hinterher.

Abbildung: Wenn man Bienenstöcke sieht, die derart eingeschneit sind, wäre es wohl besser die Bienen würden den Winter über tatsächlich schlafen.